Lesetest: Florence Fanning und die Steampirates

Ausschnitt des Covers: Florence Fanning und die Steampirates, Amazon Media EU, 2018

 

Mit lautem Krach beginnt sie, die Geschichte Florence und die Steampirates von JO ROMIC.                     Es wird nicht lange gefackelt und der Autor startet mit voller Wucht und viel „BUM“ in die Geschichte um die Pilotin Florence Fanning und der magischen Welt, in welcher sie sich bewegt.

Die Heldin lebt in einem kleinen Dorf, das am Rande der zu Grunde gegangenen Monarchie Heavendawn liegt. Dort, nur von ihrer Mutter und einem befreundeten Priester aufgezogen, langweilt sie sich vor allem und bringt sich selbst Fähigkeiten wie „Fliegen“ oder „Fechten“ bei. Außer dem Priester gibt es niemanden um sie herum, der ihre Interessen wertschätzt und auch das Verhältnis zu ihrer Mutter ist mehr als gespannt. Ihren Vater hat sie nie kennen gelernt, dennoch verweigern Mutter und Freund ihr mehr über die Person zu erzählen, welche Florence so schmerzlich vermisst. Als ihre beschauliche Heimat von den monströsen Steampirates angegriffen und zerstört wird, macht sie sich notgedrungen auf den Weg, ihren verschollenen Vater zu finden und die verschwiegenen Geheimnisse ihrer Familie zu lüften. Mit einem selbstgebauten Flieger erreicht sie die Hauptstadt von der aus sie unaufhaltsam schlitternd in die Fänge ihrer neuen Feinde gerät und von dort geht es Schlag auf Schlag von Abenteuer zu Abenteuer. Viel Pause zum Atmen bleiben Florence, ihren neu gewonnen Freunden und dem Leser nicht.

Zwischen all den großen Kämpfen und Verzwickungen in immer tiefer greifende Intrigen, bleiben nur kurze Augenblicke, in denen man die Welt, in der sich die Heldin bewegt, erfassen (und atmen) kann.

 

Cover: Florence Fanning und die Steampirates, Amazon Media EU, 2018

Diese kurzen Einblicke, die man als Leser hat, offenbaren jedoch ein großes, vor Ideen nur so strotzendes Universum. Vor allem die technischen Gerätschaften wie die Steampirates, Flugzeuge oder Botenvögel werden von Romic liebevoll und bis fast ins kleinste Detail beschrieben. Fantastereien, wie Walküren oder fliegende Wale, widmet er ebenfalls viel Beschreibung und so entsteht eine plastische Welt im Kopf des Lesers die davon zeugt, in was für einer magischen Umgebung Florence ihren Weg beschreitet. Für das innere Auge wird beim Lesen also eine Menge geboten, solange der Handlungsverlauf einem eine kurze Verschnaufpause gönnt.

Florence Fanning und die Steampirates bietet eine ganze Menge für jeden Geschmack. Beginnend bei der detailreichen Fantasy-Welt hinüber zu allerlei technischen Fantastereien, einer zarten Liebesgeschichte, ethischen Fragen, einer großen Abenteuer-Reise und jede Menge Action! Die glorreichen Duelle, welche gefochten werden, haben, vor allem in dem Ambiente von Dschungel oder alten Schlössern, Indianer Jones – Manier, machen viel Spaß und lassen den Leser mit der Heldin ordentlich mitfiebern: Ob baumelnd an einer Reling oder im Flieger über das Meer, mehr als einmal habe ich beim Lesen vor Spannung den Atem angehalten.

Das Buch ist der erste Band von mehreren, hat somit ein offenes Ende und insgesamt 202 Seiten. Für eine Bahnfahrt, einen gemütlichen Feiertag oder einfach, wenn man beim Zahnarzt sitzt und wartet (alles erprobte Szenarien!), eignet sich dieser kleine Schmankerl ganz wunderbar, um es überall hin mit zu nehmen.

Einen Kritikpunkt (aus der Sicht einer Leseratte) kann ich dennoch nicht umgehen, da ich ihn für ein rein literarisches Werk für zu wichtig halte. Denn auch, wenn der Autor in seinem Nachwort selbst mitteilt, dass die Idee ursprünglich eine Comicgrundlage hatte, muss ich sagen, dass sich der Schreibstil an vielen Stellen sehr holprig lesen lässt.                                                                                                                                   Es gibt, wie oben bereits erwähnt, eine Menge Details zu Gegenständen oder Umgebungen; für gewisse Handlungen wurde jedoch weniger Verliebtheit gezeigt, sowie angefangene Begegnungen ganz plötzlich verschwanden und nicht wieder aufgegriffen wurden. Für ein 202 Seiten Buch braucht ein geübter Leser schätzungsweise einen bis zwei Nachmittage, hier musste ich mich teilweise regelrecht durch Szenen kämpfen, da sie im Stile eines Comics aufgeschrieben waren, wodurch sie viel zu ad hoc eingeleitet und ebenso schnell wieder beendet wurden. Dabei scheint nicht beachtet worden zu sein, dass es kein gezeichnetes Bild gibt, welches die Szene in dem Moment unterstützt hätte.                                                      Ich kann nachvollziehen, dass viele (tolle) Ideen irgendwohin sollen und einen Platz verdient hätten, allerdings ist die längere Widmung für einen Moment für mich als Leser eine bessere Alternative, anstelle von „viel Geschehen in wenig Zeilen“ zu bringen.                                                                                                        So entwickelt sich beim Lesen leider eine gewisse „Kantighaftigkeit“; als würde man durch ein stockendes Computerprogramm geleitet.  Das war sehr schade, da die Geschichte und die massig-haften Ideen von Romic fesselnd sind und mit jeder Seite Lust auf mehr machen. Die spannende Story ist es auch, die ich euch gern ans Herz legen möchte: Dieses Buch gehört für mich zur Liste der schönen Werke, da sie alle klassischen Säulen eines guten Abenteuer-Romans bedient und dabei inhaltlich in keinster Weise enttäuscht.

Der zweite Band ist für diesen Winter angekündigt und ich bin schon sehr gespannt, wie die Geschichte um Florence und ihre MitstreiterInnen weitergeht, welche Geheimnisse in Heavendawn lauern und wie die Steampirates zu dem wurden, was sie heute sind.