Besuch auf der Maker Faire Hannover 2018

Vom 14.09.2018 bis zum 16.09.2018 fand im Congress-Zentrum Hannover die Maker Faire Hannover 2018 statt. Am Sonntag war ich vor Ort und habe mich für euch umgeschaut.

Maker Faire Hannover 2018 Eingang

Was ist die MakerFaire?

Die MakerFaire ist eine Messe, welche in verschiedenen Städten existiert und vor allem eine Plattform von und für „Selber-Macher“ bietet. Die Idee stammt aus den USA, die mit dem Titel darauf hinweisen, dass es sich im Wesentlichen um eine Wissenschaftsmesse handelt, aber die Charakteristika einer Art Jahrmarkt aufweisen soll. Anfassen und Mitmachen sind äußerst erwünscht und überall erlebbar. Die Veranstaltung ist komplett familienfreundlich gestaltet mit, in Hannover, großem Fokus auf Kinder und bietet eine Plattform für Austausch, Inspiration, Kreativität und Innovation. Vor allem Vereine und „StartUps“ sind vertreten, aber auch Konzerne sind vor Ort. Wer übrigens in Kostüm oder Gewandung anreist, kommt kostenlos rein.

Erlebtes und Gesehenes auf der MakerFaire Hannover 2018 

Um 10 Uhr öffnen die Pforten des Congress-Zentrums Hannover um die Besucher ein zu lassen. An insgesamt drei Tagen, der Freitag ist Schulkassen vorbehalten, kann im neuen Gebäudeabschnitt und Garten des Hauses allerlei entdeckt werden. Es gibt zwei verschiedene Eingänge; der Erste ist nur für Besucher mit Ticket geöffnet, am Zweiten können auch Kostümierte Einlass finden. Begrüßt werden wir dort beim Anstehen von einem Ausstellungsstück eines Endzeit-Tüftlers, welches an ein trojanisches Pferd erinnert und neben dem Congress-Zentrum geparkt steht. Wer dieses monströse Gefährt gebaut hat, ließ sich leider nicht in Erfahrung bringen, es ist aber das diesjährige Werbebild der MakerFaire Hannover. Auch in der Schlange befinden sich interessante Gestalten; so stehen mit mir andere Steampunks, Jedis und Jawas an.

Durch den zweiten Eingang gelangt man direkt in den Garten des Geländes. Allgemein ist die Messe sehr übersichtlich gestaltet; mit zwei Hallen und einem Garten kann man innerhalb eines Tages alles ansehen und bestaunen. Um einen genaueren Eindruck zu bekommen, mit wem ich es an diesem Tag so zu tun habe, habe ich mich mit Standbesitzern unterhalten und stelle euch diese hier ein bisschen vor.

Meine erste Begegnung habe ich an einem Pavillon, der vor seinem Eingang ein Schamanengewand ausgestellt hat. Die Menschen die den Stand betreiben sind im Stile von Erdgeistern gewandet und eine LARP-Gruppe aus Hannover (Anm. d.R. LARP = Life Action Role Play) . Sie nennen sich die Nebelschwingen und gehen vor allem mit Kindern und Jugendlichen auf LARP-Veranstaltungen. Vom Waffenbau bis zum Ausdenken einer Geschichte bieten die Nebelschwingen ihren Schützlingen alles an. Getragen wird der Verein durch Einnahmen von Walking Acts oder Feuershows und bei meinem Besuch am Stand bastelt gerade eine der Erwachsenen mit einem Besucherkind ein Schwert aus Schaumstoff.

Ich ziehe weiter und unweit vom ersten Stand treffe ich die Funkamateure. Auch hier ist der erste Blickfang nicht etwa ein Schild, sondern eine betriebene Dampfmaschine aus einer alten Spielzeug-Lok. Rings um diese stehen Kinder wie Erwachsene und bestaunen das kleine metallene Wunder, welches fröhlich dampft und tatkräftig ein Rad betreibt. Direkt daneben sitzt meine erste Herausforderung des Tages: Ein Morse-Gerät. Mit ein wenig Zähne-Knirschen schaffe ich es nach etwa 20 Minuten meinen Namen und das Wörtchen „Clockworker“ an meinen Sitznachbarn zu morsen. Mit einigen Fehlern zwar, aber immerhin lesbar. Als Auszeichnung bekomme ich vom „Meistro am Morse-Gerät“ ein Zertifikat überreicht und mache den Platz für den nächsten frei.

Da außen vor allem Gastro-Stände zu finden sind, verschlägt es mich nun in die Niedersachsen-Halle. Hier ist vor allem Elektronik zu finden und unweit des Eingangs leuchtet mich in seinem altbekannten Rot das Wörtchen Nintendo an. Was wirklich spannend an diesem Stand war, war nicht die Werbung für die aktuelle Konsole, sondern die witzige Idee, diese mit Pappgestellen zu kombinieren. Auch hier sitzen überall Kinder und lassen sich geduldig zeigen, wie man ein Klavier oder einen Kran aus Pappe baut, um damit auf der Konsole zu spielen. Via Infrarotstreifen, so erklärt mir die Dame am Stand, registriert die aufgelegte Konsole, was mit dem Pappkarton gerade gemacht wird. So werden Bewegungen direkt auf das Spiel übertragen. Selber machen ist auch hier ausdrücklich erwünscht: Man kann sich die Infrarotstreifen besorgen und aus klassischem Karton seine eigene Konstruktion bauen.

Als Kontrastprogramm sitzen nebenan an einem Stand der Teleprinter junge wie alte Menschen an unfassbar alten (und wunderschönen) Schreibmaschinen und texten sich hin und her. Auch hier kann ich die Finger nicht weglassen und mache auf einer bereitgestellten Maschine die Bekanntschaft einer jungen Dame. Die Schreibmaschinen sind so aneinander geknüpft, dass man, wie im Smartphone auch, das Getippte des Kontaktierenden auf seinem Papier mitlesen kann – was ich für eine sehr witzige Idee halte. Schnell „schnabuliere“ ich noch einen Bonbon aus der Standschale und gehe weiter.

Ein bisschen wie eine Motte fühle ich mich, als ich am Stand von Code for Heilbronn stehen bleibe. Irgendwie ist alles am Blinken und Leuchten und so kann ich nicht anders, als zu fragen, was die Ideen der Leute hier sind. Auch hier sitzen Jugendliche mit Erwachsenen zusammen und kommen mit Ideen für Hardwareprogrammierungen. Von Scootern über LED-Ketten hin zur selbst entwickelten App bietet die Gruppe alles, was machbar ist. Auch sie bieten einen Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche, die zwar Ideen aber nicht die Mittel zur Umsetzung haben. Jeder ist willkommen und bereits vorhandenes Wissen schön aber nicht notwendig, um Teil dieser Gruppe zu werden.

Weiter hinten in der Niedersachsen-Halle treffe ich eine Frau, die Lampen aus alten, unterschiedlichen Teilen baut und eine Tee- und Kaffeezeremonie entworfen hat, um diese Prozesse wieder zu entschleunigen. Ich bestaune ihre Werke für einen Augenblick, mache ein Foto und reise schließlich weiter.

Die Eilenriede-Halle ist fest in den Händen der Handwerker, Motoren und Fantasy-Welten. Hier treffe ich die – leider – einzigen Steampunk-Stände auf dem gesamten Gelände. Zum einen ist Carsten Küppers mit seinem Unternehmen Syrestria vertreten, zum anderen das Label Gabriel von Jutta Gabriel, die auf der Messe ihren Schmuck präsentiert und verkauft und noch sehr jung im Steampunk zu sein scheint. Wir tauschen uns aus, hätten gern mehr Stempel für unsere „Zeitreisepässe“ und genießen den familiären Umgang miteinander. Untereinander haben die Standbesitzer ebenfalls Kontakt geknüpft und Carsten erklärt sich spontan bereit, ein bisschen zu plaudern.  Mit seinem Unternehmen Syrestiria hat er 2014 begonnen, bereits 2016 wurde im CLOCKWORKER berichtet und nun steht er vor der Überlegung, wie er, wenn Küppers irgendwann vom Steampunk-Handwerk leben möchte, dies effizient gestalten kann. Seine Werke baut er in liebevoller Handarbeit aus durchaus teurem Material, um seinen Kunden auch einen Qualitätsstandard bieten zu können, stößt dabei aber auch an viele Grenzen. Er wird vieles an seiner Art zu arbeiten umgestalten müssen, um mithalten zu können, so Küppers. Die Sonderaufträge, wie eine Tastatur, die er komplett selbst gebaut hat (inklusive der Kleinteile) sind im Kostenfaktor nur eine Möglichkeit, um wirklich als Steampunk-Unternehmen über Wasser zu bleiben. Für die Zukunft können wir uns aber auf eine neue Homepage freuen und auch, dass er im kommenden Jahr auf so vielen Märkten wie möglich anwesend sein möchte. Ich lasse mir von Carsten seine gebauten USB-Sticks zeigen und bewundere diese Arbeiten, die mit LED-Leuchten ausgestattet und in echtes Kupfer gefasst sind. Als Abschiedsgruß hinterlasse ich ihm eine Nachricht mit seiner gebauten Tastatur, schieße noch ein, zwei Fotos und stiefele weiter durch die Halle.

R2-D2

Ein vertrautes Piepen und Flöten lässt mich eine bestimmte Richtung einschlagen und schon stehe ich vor meinem wahr gewordenen Kindheitstraum: Ein lebensgroßer, voll funktionsfähiger R2-D2. Der Verein R2-D2 Builders Club ist mit einem ganzen Schwung selbstgebauter Androiden auf die MakerFaire gepilgert, um die Androiden zu zeigen und Mitglieder anzuwerben. Da sie aus allen Teilen Deutschlands stammen, läuft der Austausch vor allem über Foren ab, in denen sich über die Bauweise eines R2 unterhalten wird. Von Problemen hin zu Fortschritten wird alles ausgetauscht und so entstehen mit der Zeit neue „Familienmitglieder“ aus Star Wars, die alle komplett selbst gebaut sind. Vom Gehäuse bis zur Technik stattet jeder seinen R2 mit den Funktionen aus, die er oder sie gern hätte und ist nicht nur an das Modell des R2-D2 gebunden, sondern kann auch andere Modelle wählen. So stehen zwischen R2-D2’s auch R7 und R8, piepen und flöten und faszinieren Scharen an Kindern und begeistern zeitgleich diverse Erwachsene.

Fast nebenan treffe ich die Walking-Act Gruppe Northern Outpost, eine Star Wars Fangruppe, die Kostüme baut, sich regelmäßig zum Stammtisch trifft und buchbar für Geburtstage und andere Feste ist. Fast alles an Kostümen und Equipment machen sie selbst; bauen Masken und Laserpistolen, tragen Lichtschwerter und kreieren sich selbst als Jedi. Am Stand finden sich eine Bildermappe mit Fotoshootings und Entwürfen, sowie eine junge Frau, die fleißig eine neue Maske vor modelliert. Auch hier wird ein wenig geschnackt, bevor es weiter geht.

Ich streife noch ein wenig durch die Gänge, finde noch mehr innovative Sachen und Ideen und lande, zum Abschluss, bei Filou Matix, einem Herren, der historische Spielautomaten rekonstruiert. Für den ersten Automaten hat er drei Jahre gebraucht, da es für das Innenleben der Automaten keine Aufzeichnungen mehr gibt und er sich eine eigene ausdenken musste. Davon hat er nun eine Anleitung geschrieben, damit man sich diese Objekte selbst bauen kann. Zum Ausprobieren seiner Automaten stellt er Spielgeld bereit und erklärt den Interessierten die Regeln. Als äußerst „nicht-gesegnet“ für Glücksspiel, versuche ich mich an „Bajazzo“ und scheitere fröhlich vor mich hin. Nur einmal gelingt es mir, meinen Bajazz die Metallkugel fangen zu lassen. An dem „Zukunfts-Orakel“ werfe ich mein letztes Spielgeld ein; mein Ergebnis findet ihr in der Bildergalerie. ;-)

Gegen 17 Uhr verlasse ich das Gelände, denn um 18 Uhr schließt die MakerFaire Hannover 2018 ihre Pforten für dieses Jahr bereits wieder.

Die Eindrücke waren enorm spannend und, wie ihr lesen konntet, enorm vielseitig. Es hat viel Spaß gemacht, sich von den verschiedenen Ausstellern ihre Projekte erklären zu lassen und an Kursen teil zu nehmen. Auch fand ich es toll, in Gewandung kostenlosen Eintritt zu haben. Innovation, Kreativität, Inspiration und Austausch wurden in meinen Augen nicht nur bedient und erfüllt, sondern dadurch auch wertgeschätzt. Die familiäre, gemütliche Atmosphäre, welche überall herrschte, empfand ich ebenfalls als angenehm, denn obwohl ich allein unterwegs war, habe ich mich an allen Ständen wohl und willkommen gefühlt. Einen Besuch ist die Maker Faire Hannover also durchaus wert.

Ich bedanke mich auch bei allen, die sich über die Schulter haben schauen lassen und mit Begeisterung berichtet haben. Macht weiter so!

Wenn euch nun der ein oder andere oben aufgeführte Verein interessiert, findet ihr hier nun ein kleines Impressum. Ebenfalls könnt ihr ein paar Eindrücke in der Bildergalerie bestaunen.

www.nebelschwingen.jimdo.com

DARC – Deutscher Amateur-Radio-Club e.V.

www.teleprinter.net

www.codeforheilbronn.de

www.syrestria.de

www.gabrielshowtime.de

www.astromech.de

www.facebook.de/star.wars.fans.hannover

www.FilouMatix.de