Bericht: Elfia Arcen 2018

An diesem Wochenende öffnete das Königreich Elfia seine Tore in den Schlossgärten von Arcen bei Venlo. Die halbjährlich stattfindende Veranstaltung ist Europas größtes Fantasy Event und seit 10 Jahren Anlaufpunkt für Kostümierte und Fotografen gleichermaßen, die die abwechslungsreiche Kulisse der Gärten ausnutzen.

Am Samstag war es gerade zu Beginn wirklich sehr voll. Bereits gegen 11.00, eine Stunde nach offiziellem Beginn, wurden die Parkplätze direkt am Gelände knapp, der Verkehr staute sich auf die Straßen zurück. Spätere Besucher mussten teils sehr weite Laufwege oder die Fahrt mit vollen Shuttlebussen in Kauf nehmen. (Kein Spaß mit ausladenden Flügeln oder Reifröcken).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Einlass war nach Tages- und Wochenendtickets aufgeteilt, leider war diese Aufteilung weiter hinten nicht ersichtlich, sodass man im Zweifel erst nach längerem Warten bemerkte, dass man in der falschen Schlange stand und eigentlich viel schneller dran gewesen wäre.

Nach der Ticketkontrolle überschreitet man die Grenze zum Königreich Elfia (inklusive Schlagbaum und Wachpersonal in rot-gelben Waffenröcken) und befindet sich mitten auf dem Schlosshof von Arcen. Hier sollte man nicht vergessen sich am Infostand ein Programmheft und Lageplan mitzunehmen, auf dem Gelände selbst findet man dieses nämlich leider nicht mehr.

Um dorthin zu gelangen, muss man sich durch den kleinen Shop des Schlosses quetschen, in dem auch der Elfia-eigene Met verkauft wird (Man kann hier auch kaufen und bis Ende der Veranstaltung zwischenlagern lassen). Leider ein Nadelöhr, bei dem es regelmäßig zu Besucherstaus kommt, obwohl man direkt daneben ein Tor aufmachen könnte. Vermutlich soll so dafür gesorgt werden, dass jeder Besucher den Met und Merchandise mitbekommt.

Auf dem Gelände selbst erwartet den Besucher neben den abwechslungsreichen Schlossgärten, die allein schon einen Besuch wert sind, verschiedenste Verkaufsstände und Bühnen. Die Hauptbühne ist mittlerweile umgezogen und der neue Aufbau sorgt dafür, dass der große Marktbereich weniger auseinandergerissen wirkt (früher teilte die Bühne den Bereich in zwei Teile), allerdings war rund um die Bühne relativ wenig Platz. Überhaupt standen die Stände dicht an dicht und es scheinen noch mehr Händler dazugekommen zu sein. Die Auswahl erstreckt sich über Bücher, Kleidung, Schmuck, Merchandise bis hin zu Lebensmitteln wie Fudge, Beef Jerky oder Met-Eis.

Elfia ist hauptsächlich zu einem großen Markt geworden mit gelegentlicher Musikbeschallung. Leider wirkten viele der Stände wie eine Offline-Version von Wish oder Aliexpress mit billiger China-Massenware.
Kleinere Handwerksstände waren nur wenige zu finden, dafür aber eine breite Auswahl an Speisen und Getränken. Insbesondere die Kaffee-Bar „Dikke Bertha“ fiel dabei dem Steampunk ins Auge.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der wachsende Markt sorgt leider auch dafür, dass es kaum noch Platz für Aussteller und Lager gibt. Der Trend der Vorjahre scheint sich fortzusetzen und so waren in diesem Jahr lediglich einige wenige Camps wie die Piraten von Käpt’n Flint, die Umbrella Cooperation und die Royal Seahorse Riders bei den Steampunks anwesend.

Letztere hatten für 15.00 Uhr auch ein Steampunk Gruppenfoto ausgerufen, was aber wohl nicht recht angekommen war, da sich nicht mal annähernd alle Steampunks, die auf dem Gelände waren, zum angekündigten Zeitpunkt dort eintrafen. Ob sie es nicht wussten, oder ob sie das Lager schlichtweg nicht gefunden haben sei dahingestellt. Dem Lageplan/Programm waren jedenfalls keine Informationen zu den Camps zu entnehmen, dabei war ein großer Plan mit klangvollen Namen wie „Siren’s Lakes“, „Dark Woods“ oder „Utopia“ enthalten. Leider verwiesen diese Namen letztlich auf keinen realen Ort oder Themenbereich und wirkten mehr wie eine Alternative zu „There be Dragons“. Lediglich die Angabe der verschiedenen Bühnen, sowie Toiletten waren dem Plan sinnvoll zu entnehmen.

Steampunk Gruppenfoto, Handyschnappschuss von Mike Brandenburg
Professor Elemental

An Programm war für Steampunks wohl der Auftritt von Chap-Hop/Neo-Victorian Hip Hop Künstler „Professor Elemental“ am interessantesten. Der britische Solo-Künstler begeistert mit seinen humorvollen aber auch politisch-bissigen Texten und Mitmach-Comedy auch Zuhörer, die sonst nichts mit Hip Hop anfangen können.

Ein weiterer Steampunk-bekannter Akademiker war mit Professor Abraxo und seiner Schlangen-Zauber-Show anwesend, der sich die Bühne im Gewächshaus mit der Karaoke-Bar „Asgard Sings“ teilte.

 

Das besondere an der Elfia ist, dass die überwiegende Mehrheit der Besucher (schätzungsweise 70-80%) sich in Schale wirft und in Kostüm oder Gewandung das Event besucht, (die restlichen sind meistens Fotografen). Die Bandbreite an Themen und auch Fertigungsfähigkeiten ist groß: Steampunk neben Cosplay, Wikinger neben Endzeitler, Piraten neben Elfen, historische handgenähte Gewandung neben Satinkarnevalskostüm. ABER: Alles gleichberechtigt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die wenigen T-Shirt und Turnschuhträger fallen fast mehr auf als die Kostümierten. Natürlich erhalten große Gewandungen mehr Aufmerksamkeit von den zahlreichen Fotografen und viele Besucher nutzen die Chance, ihr größtes und auffälligstes Outfit aus dem Schrank zu holen. Überhaupt nutzen viele der Besucher die Elfia und die Gärten von Arcen hauptsächlich zum Fotos machen und fotografiert werden. Das führt leider immer wieder zu „Verstopfungen“ auf den teils recht engen Wegen und zu Ansammlungen von Rudelknipsern, sobald sich ein Model positioniert hat.

Die Elfia selbst versucht dem mit Schildern, die zum respektvollen Umgang zwischen Fotografen und Modellen aufrufen, entgegenzuwirken, funktionieren tut es jedoch nur teilweise.

Fotografen beim Steampunk Gruppenfoto
Hauptbühne

 

Leider fing es am Nachmittag dann an zu regnen, was viele Besucher den Rückzug antreten ließ und viele Kostüme verschwanden unter Jacken und Regencapes. Die Elfia Orga hatte mit breiteren Holzlaufstegen und Planken vorgesorgt und so konnte man trotzdem einigermaßen trockenen Fußes den Rückzug Richtung Parkplatz antreten (und war glücklich, wenn man sich nicht im Regen in die Warteschlange des Shuttlebusses stellen musste).

Insgesamt lebt die Elfia von den kostümierten Besuchern und es macht wirklich Spaß die Kreativität und Handwerkskunst der Macher zu bestaunen oder selbst am Schaulaufen teilzunehmen, vielleicht sogar am täglich stattfindenden Kostümwettbewerb.

Leider stehen die Eintrittspreise dafür kaum in angemessenem Verhältnis, wenn man letztlich selbst die Hauptattraktion ist. 35€ an der Tageskasse sind wirklich kein Schnäppchen, hinzu kommen 8€ Parkgebühren für teils ungemähte und vor allem unbefestigte Wiesen, sowie 0,50€ für einmalige oder 1€ für die Tagesflatrate Klonutzung.
Essen und Getränke sind selbst für Festivalpreise recht hoch (Knoblauchbrot 5€, Crépe mit Nutella 4€, Currywurst 4€), allerdings kann man auch gut selbst etwas zu Essen mitnehmen.

Der Zauber von Elfia verfliegt leider mehr und mehr im kommerzialisierten Großevent und die Schlossgärten von Arcen werden zusehends zu klein für die Menschenmassen. Auch die Logistik stößt merklich an ihre Grenzen (Parkplätze, Kloschlangen) und das trotz mäßigem bis schlechtem Wetter. Eingespart wird an kleineren Acts und individuellen Künstlern. Wandelte man früher von einem Themenbereich in den nächsten und hatte das Gefühl in verschiedenen Welten zu Gast sein zu dürfen, sind davon heute nur noch leere Worthülsen auf dem Geländeplan übrig geblieben und man schiebt sich nur noch zu hunderten über das einheitlich ver-fantastierte Gelände.

Zum Schauen, zum Fotografieren und sich mit Gleichgesinnten treffen, ist die Elfia immer noch großartig, man sollte dann allerdings seinen Besuch längerfristiger planen und Tickets im Vorverkauf erstehen. Dann bekommt man nämlich Tageskarten für unter 20€ und Wochenendtickets für um die 30€.

 

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