GGG: Violet Evergarden – Die Hexen von Kiew – Potion Explotion

GGG steht für „Gesehen, Gelesen, Gehört“ und soll euch einen kleinen Einblick gewähren, wo sich unsere Autoren privat  so rumtreiben. Immer Montags wird hier von den „G“s berichtet, wobei diese auch gegen „Gefunden, Gespielt, Genäht“ oder ähnliches ausgetauscht werden können. Die hier wiedergegeben Meinungen spiegeln ausschließlich die der Autoren wieder und entsprechen nicht zwangsläufig denen der Redaktion.

Diese Woche: Fräulein Elsters Gesehen – Gelesen – Gespielt


Gesehen: Violet Evergarden

Reingeschnuppert habe ich die Tage in die NETFLIX Anime-Serie Violet Evergarden, welche im Original von Kana Akatsuki geschrieben und von Akiko Takase gezeichnet wurde.

Es handelt sich um ein Drama, welches in einer fiktiven Welt spielt, die zeitlich zwischen der Industrialisierung und dem zweiten Weltkrieg angesiedelt ist. Violet, die Hauptfigur, ist ein junges Mädchen, welches sein ganzes Leben in der Armee verbracht hat und schließlich vier Jahre lang in einem Krieg diente. Unter dem Namen „die Maschine“ focht sie unerbittlich an vorderster Front, bis sie zum Kriegsende ihre Arme verlor. Nach einem langen Aufenthalt im Lazarett, in welchem sie zwei mechanische Armprothesen erhielt, findet sie sich als Akora (Autonome-Korrespondenz-Autorin) eines Postamtes wieder. Von nun an steht sie vor der Herausforderung, sich in ein völlig neues Leben einordnen zu müssen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und ihr Trauma aufzuarbeiten, welches ihr der Verlust ihres geliebten Majors einbrachte.

Violet Evergarden ist kein fröhlicher Anime, sondern begleitet die unterdrückte Trauerphase eines jungen Mädchens. Wer lieber leichte Serien ansieht, sollte sich dessen bewusst sein bevor sie oder er einschaltet. Dennoch ist den Machern eine zauberhafte Serie gelungen, deren Zeichenstil sich um einiges vom aktuellen CGI-Zeichnen abhebt.  Eher wirkt es wie ein detailverliebter Studio-Ghibli Film, was sehr erfrischend ist. Wer sich mit schweren Themen nicht schwer tut und auch keine Scheu davor hat, sich den ethischen Fragen zu stellen, sollte sich auf jeden Fall die Zeit nehmen, dieses kleine Meisterwerk anzusehen!


Cover: Die Hexen von Kiew. Copyright 2013 dtv

Gelesen: „Die Hexen von Kiew“ geschrieben von Lada Lusina 
erschienen bei dtv premium

Drei Frauen aus Kiew, die unterschiedlicher nicht sein könnten, rutschen in eine äußert magische Geschichte. Dascha, eine etwas chaotische junge Eventplanerin, die sich exzentrisch gibt und kleidet, ihr Gegenstück Marusjia, das „graue Mäuschen“, welches mit allergrößter Liebe im Institut Geschichte studiert, sowie die Geschäftsführerin Katerina, die auf Präzession und Strenge setzt, landen in einem Zauberladen, welcher sie zu Hexen von Kiew werden lässt. Das allerdings eher zufällig. Von nun an müssen sie sich nicht nur mit der korrekten Zubereitung von Zaubertränken und der Erfüllung von Wünschen herumschlagen, sondern stolpern immer mehr über die Geschichte ihrer geliebten Heimatstadt Kiew, die nicht annähernd so glänzend wie seine Fassade zu sein scheint…

Wer mit dem russischen Schreibstil, das heißt viele Beschreibungen und unbekannte Ortsnamen, gut zurechtkommt, sowie eine Vorliebe für Magisches hat, der sollte sich zum Schmökern in dieses Buch zurückziehen. Es ist voll mit alten Legenden und Traditionen aus der Ukraine, macht aber auch nicht Halt vor den westeuropäischen und hat einen ganz eigenen, lieben Charme, den man in der Form nur in der russischen Ecke dieser Welt finden kann. Für Regentage dringend geeignet!


(c) Horrible Games

Gespielt: Potion Explosion
von Lorenzo Silva, Andrea Crespi, Stefano Castelli & Giulia Ghigini

Brettspiele! Da sind sie wieder! Seit ein paar Jahren feiert dieses Medium wieder eine erfolgreiche Rückkehr auf die Esstische dieses Landes und es sind einige, kleine Schätze dabei. Einen davon möchte ich euch hiermit vorstellen.

“ Liebe Studierende,
es ist wieder so weit.
Euer letztes Jahr an der Horriblen Hochschule für handfeste Hexerei ist fast vorbei und so wird es Zeit für das Abschlussexamen. […]“  Zitat „POTION EXPLOSION – vom Schrank in den Trank!“ | Spielanleitung

Einige unter uns würden sicher gern zaubern können, einige andere würden den Besuch einer Zaubererschule dem Besuch einer Regelschule sicherlich vorziehen. Mit diesem Spiel ist das zumindest im eigenen Spielzimmer ein wenig möglich. Ihr seid in eurem Abschlussjahr der horriblen Hochschule für handfeste Hexerei und müsst nun eure Zaubertrankprüfung ablegen. Hierzu bekommt jeder Spieler einen Arbeitsplatz mit Bunsenbrenner und Trankhalter. Die Trankkolben werden in die Mitte gelegt und ein Kasten voller Murmeln bereit gestellt. Dann geht sie los, die Brauerei. Ihr zieht abwechselnd Murmeln aus dem Kasten, um sie, farblich passend, auf eure Rezeptur zu legen. Wenn ihr den Trank gebraut habt, dürft ihr den Kolben umdrehen und mit den nächsten weiter machen. Aber Vorsicht: Das ziehen der Murmeln kann Explosionen auslösen, was dazu führt, dass ihr mehr Zutaten auf der Hand haben werdet, als ihr eigentlich gebrauchen könnt. Zum Grundspiel gibt es noch einen Erweiterungspack namens die 5. Zutat, welcher verschiedene Dozenten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Aufgaben beinhaltet.

Atmosphärisch und entspannend kann man sich bei diesem Spiel wunderbar in eine andere Welt träumen und sich konzentriert dem Brauen seiner Tränke widmen. Als kleiner Zusatztipp: Das Spiel auf einem weichen Untergrund, wie ein Sofa, zu spielen, bringt auch ohne den Zusatzpack etwas mehr Schwung in den Zaubertrank Kerker. Der Spaßfaktor liegt, je nach Ansprüchen an ein Brettspiel, zwischen 3 Sternen für „kann man spielen“, hin zu 10 Sternen für „macht Bombenspaß“. Ich bewege mich hier bei einer 8, denn etwas mehr Schwung in der Bude kann bei einem Brettspiel oft nicht schaden. Dennoch gefällt es mir, dass man sich sehr in einen Zaubertrank Unterricht hineinversetzen kann und auch die gesamte Spielaufmachung ist liebevoll exzentrisch, bunt und spitzfindig in ihren Beschreibungen (Zitat “ Alles so schön bunt hier. Zaubertränke?! Wen interessiert’s! Partyyy.“). Ich werde mich bestimmt noch öfter in diese Prüfung setzen und das sogar freiwillig!  Auch für kleine Zauberer geeignet!