2. Steampunk Jahrmarkt in der Jahrhunderthalle Bochum

Nach seinem erfolgreichen Start im letzten Jahr luden am Samstag den 20. Februar von 10.00 Uhr vormittags bis 1.00 Uhr nachts die „Historische Gesellschaft Deutscher Schausteller e.V.“, die Veranstaltungs-GmbH der Jahrhunderthalle Bochum mit Unterstützung von Steampunk-eyewear zum 2. Steampunk Jahrmarkt im Industrie Denkmal, der Jahrhunderthalle Bochum, ein.

Nach Angaben des Veranstalters folgten etwa fünftausend Besucher, nicht nur Steampunk-Begeisterte unterschiedlichen Alters, sondern auch zahlreiche Familien, welche sich das Treiben in Bochum einmal näher ansehen wollten, ihrer Einladung. Sie alle bevölkerten die beheizte 8.900 m² große Industriehalle, um das ein oder andere Kleinod zu erwerben, das Angebot an zahlreichen historischen Fahrgeschäften zu nutzen, oder einfach nur um sich die Kreativität der anderer Gäste zu bestaunen und selbst gesehen und fotografiert zu werden. Wer für letzteres gekommen war, wurde nicht enttäuscht. Die Bemühungen der Schausteller, Handelstreibenden, wie auch der Mehrheit der Gäste, die bereits äußerst stimmungsvolle Kulisse der historischen Industriehalle durch eigene Kostüme und Apparaturen noch lebendiger zu gestalten, wurden nicht nur von den zahlreichend anwesenden Fotographen gewürdigt. Regelmäßig konnte man Besuchern begegnen, welche untereinander über ihre neusten Errungenschaften und Erweiterungen ihrer Garderobe fachsimpelten.

Werke von www.S-Team-Art.de – Foto: Kueperpunk

Als besonderen Blickfang lassen sich ohne Zweifel die zahlreichen Fahrgeschäfte aufführen, welche diese Veranstaltung von anderen Messen rund um die Themen Gaslight und Steampunk abgrenzen und gleichzeitig ihren Drehpunkt bilden. Unter ihnen die bereits den Besuchern des letztjährigen Marktes bekannte Riesenrad von 1902, die sogenannte „Raupe“ von 1926, sowie das wunderschön bemalte Holzpferdekarussell und die historische Geisterbahn. Für die Bereitstellung, Führung und Restaurierung der Fahrgeschäfte, historischen Karussellen und Kirmesorgeln meldete wie bereits im letzten Jahr die Historische Gesellschaft Deutscher Sachausteller e.V. verantwortlich, welche ihren Enthusiasmus und ihre Fachkenntnisse zudem dadurch unter Beweis stellten, dass sie interessierten Besuchern bereitwillig in die Funktionsweise und Eigenheiten ihrer Fahrgeschäfte einführten. Zahlreiche gastronomische Stände sorgten darüber hinaus für das leibliche Wohl, so dass es rund um die Uhr möglich war, den kleinen und großen Hunger zu stillen. Neben Unterhaltung, angetrieben durch Dampf, Kurbel und Motor, präsentierten die Veranstalter desweiteren zahlreiche lebendige Liveacts auf der Showbühne der Halle. Unter Ihnen die italienische Steampunk-Band Poison Garden. Obwohl eindrucksvoll in Szene gesetzt, litt diese, wie auch andere musikalischen Darbietungen, jedoch unter der äußerst schlechten Akustik der Halle. Während die Kirmesorgeln keine Mühe hatten, sich in den weiten Mauern Gehör zu verschaffen, war es für Besucher, welche am Rand des Bühnenpublikums standen, schwer einzelnen erzählerische Beiträge zu akustisch zu folgen.

Besonders um die Mittagszeit, sowie zum frühen Nachmittag schien der Ansturm an den Verkaufsständen kaum zu verebben. Und so schwärmten Gewerbetreibende noch beim Abbau ihrer Auslagen ab 1 Uhr Nachts erschöpft doch glücklich von der bemerkenswert starken Kaufkraft der Gäste. In den Zeiten, in denen der Andrang zumindest zweitweise nachließ, stand Schaustellern und Verkäufern im Nebengebäude ein Ruhebereich zu Verfügung. Ein äußerst freundliches Cateringpersonal bot hier neben dem dringend gebrauchten Kaffee eine Auswahl von günstigen, dafür schmackhaften Gerichten an, welche so ausgiebig genutzt wurden, dass alle warmen Speisen restlos verkauft wurden. Als ebenfalls stets freundlich bewiesen sich das Sicherheitspersonal, sowie die Einweiser der Halle, die Kälte und Regen zum Trotz immer ein freundliches Wort für die an- und abreisenden Aussteller bereit hatten. Während der Gästestrom am Nachmittag nicht enden wollte, schien sich die Halle bereits zu den frühen Abendstundenzwischen 19.00 und 20.00 Uhr zu lichten und auch an den Verkaufsständen wurde es ruhiger. Was sich wohl durch die Konzentration der Besucher vor dem Bühnenprogramm, sowie der heimkehrenden Familien erklären lässt.

Foto: Kueperpunk

Lohnt sich also ein Besuch im kommenden Jahr? Oder anders gefragt: Haben sich die Ticketkosten von 20,50 Euro im Vorverkauf (Tageskasse 22,50 Euro) gelohnt? Diese Frage kann nur jeder für sich selbst beurteilen. Ist sie doch insbesondere davon abhängig, was der Besucher erwartet, beziehungsweise von seinem Besuch mitnehmen möchte. Die Tageskarte beinhaltet die freie Fahrt mit allen bereitgestellten Fahrgeschäften. Von der Seite des Autoren dieses Beitrages sei dazu soviel gesagt: Wer diese ausgiebig nutzt und zudem Freude an Staunen und Schauen hat, bekommt für den Preis zweier Kinokarten bereits nur durch diese Unterhaltung, welche mehr als die Länge zweier Kinofilme andauert.
Der Erlös des Jahrmarktes, so die Veranstalter, fließt in Pflege, Restauration und Bewahrung der historischen Fahrgeschäfte, sowie in den Erhalt der Jahrhunderthalle Bochum. Eine Information, welche Steampunk-Fans und Gewerbetreibende ebenso bei der Entscheidungsfindung beeinflussen könnte.

Noch gibt es keine offiziellen Rückmeldungen, ob und wann wir im nächsten Jahr den 3. Steampunk Jahrmarkt in Bochum erwarten können. Die großen Besucherzahlen und die positive Rückmeldung von Steampunk-eyewear via facebook lassen jedoch davon ausgehen. Bis dahin bleiben uns zahlreiche Bilder und Filme, um einen Eindruck von der Atmosphäre des Jahrmarktes zu erhalten, beziehungsweise gesammelte Eindrücke bis zum nächsten Mal in ungefähr einem Jahr wieder aufleben zu lassen. Nicht einmal mehr ein Jahr. Mal wieder viel zu wenig Zeit, um weiter an unseren Outfits und Apparaturen für unseren nächsten Besuch in Bochum zu schrauben.

(Mehr Bilder gibt es z.B. im Bericht von Kueperpunk2012, von dem wir auch einige hier verwenden durften)