„Schmetterlingsbeute“ – ein Steampunk-Krimi-Livehörspiel von Marco Ansing mit Vernissage & Kunstauktion

Die stadtbekannte Diebin Madame Papillon hat es auf ein geheimnisumwittertes Gemälde der Künstlerin Amalia Zeichnerin abgesehen. Kann der Journalist Johann Alexander Krieger den Diebstahl verhindern?

Am 18. Juli 2015 fand in Hamburg eine Veranstaltung statt, die mehrere Kunstformen zusammenbrachte: Krimiliteratur, Hörspiel, Schauspiel und angewandte Kunst.

Marco Ansing, Foto von George H Peters
Marco Ansing, Foto von George H Peters

Autor Marco Ansing (siehe auch Die Letzte Instanz – ein Livehörspiel) schreibt schon seit einiger Zeit Steampunk Kurzgeschichten über  den gerissenen und gewitzten Reporter Johann Alexander Krieger vom fiktiven „Hamburger Hanseboten“.  Diese Serie hat er nun fortgesetzt mit der Geschichte „Schmetterlingsbeute“, welche er für die Bühne adaptierte.

Dafür hat sich Ansing außerdem inspirieren lassen von den beiden Steampunk Personas „Amalia Zeichnerin“ und „Sir Elias Ashton“. Beide tauchten bereits in einem früheren seiner Livehörspiele auf, das in fiktiver Weise vom Aethercircus Festival handelte.

Was ist eigentlich ein Live-Hörspiel?
Bekannt wurden etwa die Live-Produktionen der „Drei Fragezeichen“. Im Live-Hörspiel wird der Text anders als bei einem Schauspiel nicht auswendig vorgetragen, sondern lebendig vorgelesen, untermalt von Mimik und Gestik. Außerdem werden passende Sounds eingespielt, zum Beispiel das Klappern einer Schreibmaschinentastatur in einer Zeitungsredaktion oder das Ticken einer Standuhr. Marco Ansings Mitstreiter verwenden dabei auch allerhand Requisiten, damit klar wird, welche Rolle gerade gelesen wird. In „Schmetterlingsbeute“ stellte Schauspieler und Sprecher Thorsten Schneider den Kommissar Schmittke mit einer Pickelhaube dar, während der Adlige Sir Ashton mit einem Spazierstock herumfuchteln durfte.
Auch das Publikum wurde miteinbezogen und durfte Geräusche machen  – in einer Gefängnisszene beispielsweise war „anzügliches Gröhlen“ gefordert, dem die Zuschauer dann lautstark Ausdruck verliehen.

Bei manchen von Ansings Live-Hörspielen darf das Publikum sogar per Applaus abstimmen, welchen Weg die Helden wählen sollen im weiteren Handlungsverlauf.

Bei der Uraufführung von „Schmetterlingsbeute“ im originellen Eppendorfer Café „Jussi – Mein skandinavisches Krimibuchcafé“ kam eine andere Form der Interaktion zum Tragen: Die im Hörspiel beschriebene Kunstauktion wurde auch real durchgeführt mit dem anwesenden Publikum. Marco Ansing und Thorsten Schneider überboten sich beide gegenseitig auf komödiantisch-überzogene Weise darin, die zu versteigernden Steampunk-Werke und Portrait-Gutscheine von Amalia Zeichnerin anzupreisen – und waren damit sehr erfolgreich, denn sie brachten fünf Werke unter den Hammer.

Amalia Zeichnerin, Foto von Linde Abschinski
Amalia Zeichnerin, Foto von Linde Abschinski

Das im Livehörspiel hervorgehobene Gemälde „Mann mit Maschinenrucksack“ (auch „Steampunk Ball“ genannt, siehe Abbildung) wurde ursprünglich 2013 von Amalia Zeichnerin gemalt und auf dem Aethercircus Festival ausgestellt.
Marco Ansing beschrieb das Werk nun in seinem Hörspiel auf  detaillierte Weise und ließ es von einer der Figuren gar bis ins Kleinste feingeistig interpretieren.

Steampunk Ball von Amalia Zeichnerin
Steampunk Ball von Amalia Zeichnerin

„Schmetterlingsbeute“ entpuppte sich als unterhaltsamer Kunst-Krimi, in dem auch – passend zum Steampunk-Genre – ein verrückter Wissenschaftler noch eine tragende Rolle spielen sollte.

Passend dazu wurde auch ein Gemälde mit dem Titel „Für die Wissenschaft!“ versteigert, zu dem die Künstlerin auf der Auktion folgendes erzählte:

Hier sehen Sie den mehrfach ausgezeichnete Prof. Dr. Dr. Wilhelm Heisenfeldt und seinen Assistent Eugen bei der Erforschung der Gehirnperforationexplorationssynthese mittels Heisenfeldtiumhydroxit unter Zuhilfenahme eines von Nikola Tesla entwickelten elektrischen Gerätes.

Für die Wissenschaft! von Amalia Zeichnerin
Für die Wissenschaft! von Amalia Zeichnerin

Übrigens befanden sich im Publikum des Livehörspiels auch mehrere Stammgäste des Krimibuchcafés, die bisher mit Steampunk noch nicht in Berührung gekommen waren – so dass Ansing eine kleine Einführung ins Thema vorwegschickte. Nach viel Gelächter und positivem Feedback aus dem Publikum konnten alle Beteiligten diese einmalige Veranstaltung als gelungen betrachten.

Wer neugierig geworden ist auf  die Abenteuer vom Reporter Johann Alexander Krieger, kann eines davon – mit dem Titel „Volldampf zu den Sternen“ – nachlesen in der Steampunk Anthologie „Voll Dampf“ des Amrun Verlages, herausgegeben von Ingo Schulze und André Skora.

Mehr über Marco Ansing im Aether: http://www.marco-ansing.de/

Mehr über Amalia Zeichnerin: http://www.silestin.de/