Totgesagte leben länger…

… oder die Wiederkehr der Glühlampe

Wer aufmerksam durch die Baumärkte streift, wird verwundert vor dem Leuchtmittelregal stehen bleiben.

Neben „Energiesparlampen“ und LED Brennern liegen im unteren Regal: Glühlampen, ganz legal und unverschämt, nagelneu und jeglichem Verbot trotzend.


CIMG7866Rustica 60 Watt um 2/3 gedimmt

„Rustica“ heissen die Lampen und wer die Packung aufmerksam ansieht, wird erstaunt lesen, dass selbige nur für Dekorationszwecke und für die Industrie aber NICHT für den Hausgebrauch bestimmt sind.

Sie leuchten aber wunderschön, auch in heimischen Fassungen.

Wählt man nun eine Wattzahl höher als benötigt und dimmt die Lampe ein wenig herunter, hat sogar das Phoebus-Kartell das nachsehen. Der verminderte Stromfluß durch die Lampe treibt die Lebensdauer in die Höhe. Bis zu 5.000 Stunden kann diese Lampe nun brennen.

Wir erinnern uns

Wir schreiben das Jahr 1920…

CIMG7869

Kohlefadenlampe von ca. 1920

Das Phoebus-Kartell beschliesst, dass Glühlampen statt 2.500 nur noch 1.000 Stunden brennen dürfen. Ganze Abteilungen beschäftigen sich ab 1925 mit der Überwachung und Protokollierung des Kartells. Damit wird in der Industrie ein Paradigmawechsel eingeleitet. Galt bis dato die Maßgabe, dass das Beste aus den Materialien herauszuholen ist, gilt nun die festgelegte Lebensdauer um den Profit in die Höhe zu treiben. Damit wird aber auch eine gigantische Verschwendung von Materialien und Energie eingeleitet. Zu dieser Zeit wurde das Material der Glühlampen noch nicht wieder verwertet. Glas, später dann Wolfram und Messing landeten unwiederbringlich im Müll.

1940 brannten Glühlampen nur noch 1.000 Stunden!

in den 40ern  fliegt das Kartell auf. Aber erst so um 1953 wird Osram in Deutschland verboten, die Lebensdauer der Lampen künstlich einzuschränken. Strafe muss der Konzern allerdings nicht bezahlen, an der Lebensdauer hat sich bis dato nichts geändert. Nur in der DDR durften Glühlampen nicht vorzeitig ausbrennen. Selbiges galt dort als Sabotage, da ja die Vorräte an dem teueren Wolfram geschont werden sollten. Auch wurde Glühlampen gezielt gesammelt und wieder verwertet.

Es gab sogar einmal eine Zeit, da wurden Glühlampen repariert…

Dieser Wechsel in den Paradigmen macht Schule und ganze Industriezweige folgen nun diesem Weg. Galt bei Miele vor Zeiten noch der Werbespruch:

„Mit dieser Waschmaschine waschen noch Ihre Enkel“

haben sich die Zeiten drastisch zu Ungunsten der Verbraucher geändert.

 

Aber es gibt Widerstand

Riva, oder das kleine „Gallische Dorf“ im Kartell.

Riva ist für Industrielampen bekannt und produziert Glühlampen in fast allen Formen mit bis zu 5.000 Stunden Lebensdauer.

Aufwändige Fadenaufhängungen schützen die Glühfäden vor Erschütterungen und die fehlenden Schwachstellen im Glühfaden ermöglichen diese langen Lebensdauern.

CIMG7868

 

RIVA 18W 235Volt

Riva Lampen werden für Signal- und Beleuchtungszwecke eingesetzt, wo es z.B. auf Licht UND Wärme ankommt. Schilder, von solch einer Lampe beleuchtet, tauen im Winter frei und müssen nicht zusätzlich geheizt werden.

Das Typenschild dieser Lampe sagt, dass sie eine Nennspannung von 235V aufweist. Diese hier ist noch für das 220V Netz ausgelegt, damit würde sie 15 Volt unterhalb der Betriebsspannung brennen, was die Lebensdauer erhöht. Und die Lampe kann Spannungsspitzen, wie sie in Zügen und auf Schiffen vorkommen besser widerstehen.

Mit den Rustica und den RIVA Lampen hat der geneigte Leser nun die Möglichkeit, wieder sanftes und warmes Licht in sein Heim einziehen zu lassen.

Quellen:

Die Presse

RIVA

Lichtservice Schrader

Bilder:

Jochen Enderlein