Buchmesse Frankfurt und Buchmesse Convent

Mit soliden Besucherzahlen schloss die Buchmesse 2012 in Frankfurt und es wird Zeit ein Fazit von den hektischen Treiben in den Messehallen zu ziehen. Für Steampunk-Fans, die gerne deutschsprachige Literatur lesen, ist es ein trauriges Fazit. Fast alle deutschen Verlage setzen weiterhin auf die gutlaufenden Trends und werden auch 2013 „me too“-Literaturveröffentlichen. Lieber noch einen weiteren Vampirroman oder Kapuzenfantsy, als selber einen Trend aktiv zu gestalten und die Nase vorn zu haben. Da Steampunk in diesem Raster nicht vorkommt, werden wir auch (fast) keine Veröffentlichungen unter diesem Schlagwort auf dem Markt sehen. Einzig lobenswerte Ausnahme: Feder und Schwert, die auch 2013 ihr Sublabel Steampunk unter Dampf halten. Der Rest? Wird auch einige Lizenzausgaben auf den Markt bringen, allerdings in allgemeinen fantastischen Reihen oder (mit anderem Cover) vielleicht sogar in einen aktuellen Trend gepresst. Hier die Spreu vom Weizen zu trennen wird im nächsten Jahr die Aufgabe des Clockworkers sein. Was wir genau zu erwarten haben, werden wir in folgenden Artikeln berichten.
In der internationalen Halle bot sich hingegen ein ganz anderes Bild. Irgendwie habe ich ganz allgemein immer das Gefühl: Die internationalen Bücher haben schönere Cover, sind besser aufgemacht und die Messestände sind nicht auf möglichst cool gebaut, sondern sind vollgestopft mit Lesestoff und man fühlt sich eher wie in einem gemütlichen Antiquariat… mit sehr sehr vielen Besuchern. Im englischen Buchmarkt ist der Steampunk-Trend ungebrochen und man wird selbst als begeisterter Sammler nicht mehr alle Veröffentlichungen im Blick halten können, geschweige denn sein eigen nennen.
Die Freude an einer nostalgischen Retro-Liebe ist in allen Bereichen ungebrochen und findet sich in vielen Büchern rund um die Welt wieder. Wohl dem, der der englischen Sprache mächtig ist, denn da kommen einige echte Perlen auf den Markt, aber auch dazu ausführlichen in späteren Beiträgen.

Kommen wir nun zu einem der Tiefpunkte der Buchmesse und das ist nicht die Buchmesse selber, sondern die Berichterstattung der FAZ darüber. Da hat es eine Messe, die vorher den Ruf einer staubigen Veranstaltung hatte, endlich geschafft sich aus den Fesseln der ernsten Kritiker und Feuilletons zu lösen und sich für die Leser offener zu zeigen und schon schlägt der immer ernste Kritikerfinger zu. Da waren Menschen, die hatten Spaß an Literatur und haben diese auch noch gezeigt! Unmöglich! Wo kommen wir denn da hin, wenn ein jeder Spaß am Lesen hat? Oder um mit den Worten des FAZ-Autors Jan Wiele zu reden: Fehlt nur noch eine Hüpfburg.

Der Samstag gehörte wie jedes Jahr traditionell dem Buchmesse Convent in Dreieich. Während sich in den Messehallen in Frankfurt die normalen Besucher (aka Nicht-Fachbesucher) durch die Gänge drängten, trafen sich die Fans und Autoren der Fantastik in Bürgerhaus und genossen ein Programm mit Lesungen und Vorträgen aus allen Sparten des Genres. Auch Steampunk war hier gleich mehrfach vertreten. Im Vortrag “Jules Verne, “20.000 Meilen unter dem Meer” und der Steampunk” von Bettina Wurche ging es zwar weniger um Steampunk selber, aber dafür lernte man eine Menge über die Geschichte hinter dem Roman und warum Kopffüssler (=Kraken etc.) so faszinierende Wesen sind. Es ist Verne zu verdanken, dass wir sie bis heute in der Pop-Kultur immer wiederfinden und ihre Faszination – trotz vieler Forschungen – bis heute nicht abgenommen hat.

Für mich als alten Rhodan-Fan war das offizielle Perry Rhodan Panel natürlich auch eine Pflichtveranstaltung. Unter der Moderation von Christian Humberg erzählten Hubert Haensel, Hermann Ritter und Klaus N.Frick über die aktuellen Geschehnisse im Rhodan-Universum und stellten fest, dass der Ebook-Markt eine größten Segnungen für die galaktischen Helden ist. Auch wenn man ihn schon oft zu Grabe getragen hat: Der Heftroman lebt weiter und mit den neuen Medien lebt er mehr denn je. Es ist sehr zu hoffen, dass auch andere Verlage die Möglichkeiten des Ebooks für ihre Heftromane erkennen und man einige Helden der Jugend so wieder erleben darf.

Neben den Vorträgen sind aber auch gerade die Unterhaltungen im Umfeld des Convents einer der vielen Gründe diese Veranstaltung zu besuchen. Man trifft Menschen, die man vorher nur virtuell kannte und kann schon mal einen Blick auf die Projekte der Zukunft werfen, lange bevor sie auch nur den Verlag erreicht haben.

Der Tag endete mit der Vergabe des Deutschen Phantastik Preises, der als Publikumspreis leider nur wenig Überraschungen hatte. Wer eine breite Fanbasis hat, dem gelingt es hier relativ einfach eine Spitzenposition einzunehmen. Nur in den „kleinen“ Kategorien wie Anthologie, Kurzgeschichte oder Sekundärwerk bleibt die Spannung lange erhalten und man wird positiv überrascht. In der Sparte „Beste Webseite“ täte eine Trennung zwischen Profi und Amateur dem Preis sehr gut, denn so gehen die vielen kleinen Fanprojekte gegen die großen Verlagsangebote leider unter und werden nicht gebührend gewürdigt (wie auch Phantanews findet).

Nächster Treff in Sachen fantastischer Literatur wird die Buchmesse 2013 in Leipzig sein. Man sieht sich dort.