Der verkannte Steampunk – oder mal wieder nicht recherchiert

„Wenn wir wollen, dass etwas Bestand hat, sorgen wir für Schönheit, nicht für Effizienz.“
Nicolás Gómez Dávila

Ein schönes Zitat des Philosophen Dávila, das insbesondere auf einen Aspekt des Steampunks zutrifft: Technik, ohne Ästhetik neigt zum schnellen Wegwerfen und ist ein Verbrauchsgegenstand. In dem Artikel „Mit Volldampf und Nostalgie – der Steampunk“ versucht das Magazin Blaue Narzisse den Hintergrund von Steampunk zu beschreiben, nähert sich ihm aber nur sehr oberflächlich an. Man mag ihnen zugute halten, dass der Artikel aus dem Jahr 2009 ist und das Genre zu der Zeit gerade erst in den Medien aufgetaucht ist. Da darf dann natürlich auch ein Fachmann nicht fehlen, der sich auch gleich äußert:

„Die reine oberflächliche Zeitmaschinenästhetik, obwohl schön, ist also sinnlose Zeitverschwendung und kann das Loch in der Seele der Praktizierenden nicht füllen. Das ganze ist ein selbstgewählter Zookäfig für Ästheten“
Bernd Haug

Bernd Haug wird als Journalist und Informatiker vorgestellt, leider scheint diese Aussage sein einziges Werk als Journalist zu sein, denn ansonsten die Google-Suche nichts her. Ich hatte gehofft eine etwas jüngere Aussage zu finden, in der Haug sich vielleicht auch mit dem Hintergrund des Steampunk beschäftigt haben könnte. So bleibt es aber nur eine provozierende Aussage ohne Hand und Fuß, denn Steampunk legt sicherlich wert auf Ästhetik, aber eben nicht technikfeindlich, wie der Artikel unterstellt. Ganz im Gegenteil ist die Begeisterung für Technik, Wissenschaft und Erfindungen ein elementarer Bestandteil des Genres. Wahrscheinlich ist einem rechts-konservativen Magazin wie der Blauen Narzisse, diese Inovationskraft zu bedrohlich, daher musste dieser Teil unterdrückt werden.

Aber für dieses eine Zitat von Nicolás Gómez Dávila hat sich der Artikel gelohnt.

… und das es der Antifa Erlangen gelungen ist, die Werbeanzeigen zu hacken, hat auch einen gewissen Unterhaltungswert ;-)

Hat Tip an Professor X