Im Salongespräch: Yoshi Akai

Zum heutigen Salongespräch dürfen wir Yoshi Akai auf die Couch bitten.

Der gebürtige Japaner hat bereits mit seinen Arbeiten im Bereich Synthesizing auch auf Clockworker von sich reden gemacht. Mit seinen einfallsreichen Ideen der Umgestaltung bekannter Synthesizingprozesse und neuen Erfindungen performt er gerne vor Publikum, oder stellt seine ungewöhnlichen Kreationen in  seinem Youtube-Channel zur Schau.

Yoshi studierte in Nagoya Interface Design und Graphik Design. Nach einem weiteren Abschluss in England hat er sich die letzten Jahre hauptsächlich in Schweden aufgehalten, wo er seine kreativen Arbeiten zu seinem Beruf machen konnte.

Wir haben den Tüftler im Museum für Contemporary Art in Tokyo getroffen und ihn bei seiner Einsicht in die Ars Electronica – Cyber Arts Japan begleiten dürfen.

Dein Studiengang ist weitesgehend im Bereich Design anzusiedeln, wie bist du damals auf Synthesizing gekommen?

Das ist richtig, ich habe Interface Design und Graphik Design studiert. Doch mich hat etwas gestört: Die Verbundenheit und das Verständnis des Menschen im Umgang mit den Maschinen. Zum Beispiel kann man nicht hinter die Prozesse des Rechners blicken, vertraut ihm aber schwierige Aufgaben an. Bei der Erzeugung von Geräuschen mit Synthesizern ist das anders. Man hat nachvollziehbaren Einfluss auf die Dinge, die dort passieren. Ausserdem habe ich Interface Design studiert und versuche Geräte zu entwickeln, die nicht nur praktisch anwendbar, sondern auch schön anzusehen sind. Bei mir hat übrigens jeder Knopf eine Funktion und versetzt den Menschen unmittelbar in die Lage zu agieren, ohne die Software zu kennen, denn es gibt keine.

Wie fühlte es sich an, als du dein erstes funktionierendes Gerät fertig gestellt hattest?

Ich war ziemlich erschöpft. Das kam daher, dass ich das Gerät in zwei Wochen unter Zeitdruck fertig gestellt hatte. Ich hab einem Freund gegenüber meine Idee von einem Legosynthesizer geäußert, dem Mark I, und der hat mich mit der Idee prompt bei einem Künstlertreffen in Stockholm angemeldet. Der Sound war furchtbar, aber die Hauptsache war, dass es funktionierte, nicht?

In deinem Leben, wieviele Synthesizer hast du bis jetzt gebaut?

Das dürften mittlerweile um die fünfzig Stück sein. Ich zähle dabei auch die, die nicht funktionieren, weil sie ja schließlich einer Idee entsprangen. Manchmal kehre ich an diese dann zurück und verändere die Kreisläufe, verbessere sie. Ich bezeichne die Arbeiten jeweils mit einer angebrachten Metallplatte, auf welcher Jahreszahl und Werknummer eingraviert sind.

Deine Arbeiten erinnern von der Machart her sehr an das „make“ des Steampunk-Genres, hast du von diesem schon einmal gehört? In welcher Form würdest du dich zuordnen und mit welchen Medien des Genres hattest du Kontakt?

Ja, vom Steampunk habe ich gehört. Ich werde dies oft gefragt, wenn Leute meine Arbeiten sehen, aber ich persönlich sehe mich überhaupt nicht dieser Schublade angehörig. Ich mache kein Steampunk. Dafür bin ich ein Freund des Victorianischen Designs und des Art Nouveau. Meine Werke wiederum sind nicht wirklich Steampunk, da sie ja keiner Funktion nachkommen, die in dieser Epoche von Interesse war. Sie sind eher soetwas, wie gealterte Maschinen. Die Accessoires, die im Steampunk benutzt werden, sind interessant anzusehen. Die Goggles zum Beispiel, oder die Kleidung. Aber ich wunder mich immer, dass diese ja eigentlich nur schmückend sind, aber keine Praktikabilität besitzen. In dem Genre sehe ich auch gerne Filme und lese Bücher.

Was wäre deine Definition des Genres?

Meine Definition steht bereits im Namen. Ich sehe das ganze als Verarbeitung der dampfgetriebenen Maschinen mit dem Wissen der Moderne an. Es gibt zu diesem Thema ja auch bekannte Anime und sicher auch Manga, die diese Aspekte verarbeiten. Viele Leute verwechseln jedoch die literarischen Werke aus jener Zeit, mit den heutigen. Ich würde dort eine Grenze ziehen.

Welches Material bevorzugst du beim Bau deiner Apparate?

Ich versuche stets mit den fünf Elementen zu bauen. Holz, Metall und Stein sind dabei die Grundelemente. Es ist interessant, nicht? Wie man aus so grundlegenden Dingen, wie diesen, eine Sache bauen kann, die Sound erzeugt. Für mich ist dieses Prinzip sehr wichtig.

Wir sind hier ja gerade im Museum für Gegenwartskunst, glaubst du, die alte Kunst wird angesichts der interessanten Werke um uns herum überleben können? Siehst du dich eigentlich mehr als Erfinder, oder als Künstler?

Definitiv, ich sehe die alte Kunst als großen Wissenschatz. Ausserdem wird unsere Gegenwartskunst ja auch irgendwann nur noch die „alte“ Kunst sein, von daher. Und ich sehe mich auf jeden Fall als Künstler! Natürlich auch mit dem Augenzwinkern, dass die Werke als Kunst titulierbar und zu entschuldigen sind, wenn sie in der Technik keine Anerkennung finden. Aber ja, ich sehe mich als Künstler und ich perfome mit meinen Arbeiten.

Wenn du dich gerade nicht mit Synthesizing beschäftigst, was machst du dann?

Puh, die letzten drei Jahre hatte ich eigentlich so gut wie keine Freizeit, oder Urlaub. Meistens lese ich und sehe gerne Filme, aber ich spiele nie irgendwelche Spiele. Konsolengames, oder solche Dinge.

Mit deinem Künstlertum im Bereich Synthesizing, hast du da ein Lieblingsgeräusch?

Oh ja, das habe ich. Wenn man in Amsterdam sich an ganz bestimmten Stellen befindet und der Wind durch die Oberleitungen der Trambahnen rauscht, dann ist das fast wie eine Harmonie. Ich mag das sehr. Eine ähnliche Kulisse habe ich in Berlin am Alexanderplatz gefunden, wo sich bei meinem Besuch noch die Geräusche von Bauarbeiten reingemischt haben. Ausserdem mag ich das Geräusch der Stille. Es ist ja bekannt, dass es soetwas nicht gibt, aber ich meine damit das Geräusch des eigenen Körpers in einer stillen Umgebung. Das Geräusch des Herzschlages und des Atems.

Wie groß ist der Einfluss des Zufalls auf deine Arbeiten?

Das ist keine leichte Frage, ich denke groß. Wenn ich vor Leuten performe, dann weiß ich meist, mit welchem Ton ich beginne, aber danach ist immer alles anders. Die Menschen, die vor den Boxen stehen, die Masse an Leuten im Saal, die Saalarchitektur. Es ist nie gleich, aber uneingeschränkten Zufall gibt es nicht. Denn wenn man weiß, wo sich etwas abspielt und mit welchen Elementen, dann kann man immer wissen, oder berechnen, was kommen könnte.

Woran arbeitest du zur Zeit?

Ich hab mehrere Ideen, aber die sind mein Geheimnis. (lacht)

Bist du ein Genie?

Nein, kein Genie. Ich bin der hart arbeitende Typ, ich hab es nicht in die Wiege gelegt bekommen.

Welche Erfindung fehlt der Welt?

Keine Maschine im Konkreten, aber ein funktionierendes System der Politik und der Wirtschaft!

Und welche hätte es besser nie gegeben?

Das Internet und das Handy! Jetzt denkt wirklich jeder, zu jeder Zeit, man wäre erreichbar. Ich finde das nimmt einem die Luft in der Freizeit. Es gibt zu viele Menschen, die nicht verstehen, dass diese existiert, weil man ja immer erreichbar und auffindbar ist. Ich finde das schrecklich.

Vielen Dank für deine Zeit und Geduld!

Nichts zu danken.

[Das Interview wurde auf Englisch gehalten und es wurde versucht so nahe wie möglich am Sinninhalt ins Deutsche zu übersetzen.]