Über das Aethercircus Steampunk Festival

Das Konzept, ein Steampunk Festival zum Stadtfest werden zu lassen, ist insgesamt aufgegangen, denn es gab viel positives Feedback, sowohl von langjährigen Steampunks wie auch von interessierten Einheimischen, die viele Fragen stellten, sich verzaubern ließen von den Shows, den Maschinen, den Gadgets, der Kleidung (eindrucksvoll zu sehen unter anderem auf der Modenschau) und vielem anderen mehr. Entsprechend war auch die Durchmischung von Einheimischen in Alltagskleidung und den gewandeten Steampunks.

© Roger Steen

Dieser Bericht schildert subjektive Eindrücke vom Festival. Ich hatte nicht die Möglichkeit, mir alles anzusehen und kann daher nur über Teilbereiche der Veranstaltung berichten. Ich habe mich umgehört, wie das Festival insgesamt angekommen ist.

Das Gelände war relativ weitläufig, die einzelnen Programmpunkte waren auf mehrere Standorte verteilt. Wer sich viel ansehen wollte, musste also entsprechend einiges an Strecken zurücklegen. Die Kulisse der Altstadt, unter anderem mit alten Fachwerkhäusern, bildete einen sehr passenden, schönen Hintergrund für das Steampunk-Thema. Verschiedene Geschäfte in der Innenstadt gingen ebenfalls mit geliehenen Ausstellungsobjekten darauf ein.

© Roger Steen

 

© Roger Steen

 

© Roger Steen

 

© Roger Steen

 

Die Künstler Stephan Kuhn und Vadim Voitekhovitch stellten ihre Werke aus und es gab auch eine weitere Steampunk-Ausstellung und mehrere Marktstände.

Vadim Voitekhovitch und einige seiner Werke © Roger Steen

In einem umgebauten Wohnmobil wurden Kurzfilme gezeigt und in den Straßen waren mehrere steampunkige, zum Teil dampfbetriebene Fahrzeuge unterwegs, die für Aufsehen sorgten.

Jürgen Lautner widmete sich in seinem Video-Vortrag über Steampunk unter anderem der Frage, wie die Zukunft der Szene aussehen mag und stellte die Überlegung in den Raum, dass es vielleicht noch circa fünf Jahre dauert, bis der Szene gewissermaßen „die Luft ausgeht“, da es leider ingesamt im deutschsprachigen Raum zu wenig Aktive gibt, also Menschen, die Veranstaltungen wie den Aethercircus organisieren. Auch der Trend, der bis vor kurzem noch für eine gewisse Kommerzialisierung gesorgt hat, ist mittlerweile wieder abgeflaut.

Auf der großen Hauptbühne beim Rathaus traten sowohl am Samstag und am Sonntag mehrere Bands auf und lockten viele Zuschauer an. Weitere Bands und Künstler traten auf kleineren Bühnen an anderen Standorten auf. Auf dem Platz vor der Malerschule und an verschiedenen Stellen in der Stadt wurde auch spontan Musik gemacht und ein wenig getanzt. Der Irish Pub „Rebel’s Choice“ stellte seine Räumlichkeiten ebenfalls zur Verfügung. Dort kamen insbesondere die folkig angehauchten „Tales of Nebelheym“ sehr gut an. Auch die Modenschau, die bereits seit dem Beginn des Festivals im Jahr 2012 ein fester Bestandteil ist, fand großen Anklang. In diesem Jahr wurde sie von dem Autor Marco Ansing moderiert.

Off Limits © Roger Steen

 

Jessness © Roger Steen

 

Professor Abraxo präsentiert sein Fahrzeug © Roger Steen

Der Bremer Zirkel moderierte stilvoll ein Tee-Duell auf einer der kleineren Bühnen und arbeitete zusammen mit dem Amt für Aetherangelegenheiten. Für reichlich Unterhaltung sorgte ein Temporalmarken-Fälscher aus ihren Reihen. Es gab auch noch weitere Anlaufstellen des Amtes auf dem Aethercircus, an denen man Stempel, Temporalmarken, Zeitreise-Visa und natürlich Zeitreisepässe erhalten konnte.

Der Bremer Zirkel veranschaulichte die Tradition des Tee-Duells © Roger Steen

Bei den Autorinnen und Autoren gab es im Deck 2 in der Malerschule ein Platzproblem für die Bücherstände, leider war im Vorfeld nicht ausreichend kommuniziert worden, wie das genau organisiert war. Auch war es ungünstig, dass die Vorträge und Lesungen im Deck 2 sich im selben Raum befanden wie die Büchertische der Autoren, denn ein Gespräch mit vorübergehenden Interessierten wurde dadurch fast unmöglich. Da das Programm hier sehr voll war, gab es auch nur wenig Pausen, die man dafür hätte nutzen können.

Kinderprogramm mit Doc Mac Dooley im Deck 2 © Roger Steen

 

Autorin Swantje Niemann während ihrer Lesung im Deck 2 © Roger Steen

Platzprobleme meldete auch die Steampunk Expeditionsgesellschaft, die letztlich nicht alle ihre Zelte aufbaute, zumal Fußgänger oft direkt an den Zelten vorbeigingen und im Gedränge gegen Zeltschnüre stießen, da der Hauptverbindungsweg aus der Stadt zum Veranstaltungsgebäude Deck 1/2 und Kulturforum direkt am Camp vorbeiführte.

Leider war dieser Weg aufgrund einer Treppe nicht für Rollstühle geeignet, eine Alternativroute nicht beschildert, was mehrfach für ratlose Gesichter sorgte. Die Räumlichkeiten des Veranstaltungsgebäudes waren allerdings eh nicht für Rollstühle geeignet, was sehr schade war, befand sich dort doch der Großteil der Händler.

© Roger Steen

 

Feuershow von Ravenchild © Roger Steen

Die Möglichkeit auf einem historischen Schiff, der Ewer Magareta, unter Deck Lesungen abzuhalten, war etwas Besonderes und sorgte ebenfalls für positives Feedback von den Besuchern des Festivals. Allerdings war die Lage des Schiffes ungünstig im Lageplan eingezeichnet, denn der Zugang von der dort markierten Straße Ostfleth war gesperrt, so dass man unter Umständen einen Umweg laufen musste, um zur gegenüberliegenden Straße Westfleth zu gelangen.

Die erste Lesung am Samstag von Tanja Meurer auf dem Schiff fiel leider aus, woraufhin ich mich spontan mit ihr zusammengetan habe bei meiner Lesung später am Tag, so dass wir beide ein Publikum hatten.

Künstler Stephan Kuhn © Michael Meister

Der Künstler Stephan Kuhn hat einen kleinen Bericht aus seiner Sicht verfasst, den wir freundlicherweise zitieren dürfen:

Zu erst einmal ist zu sagen: Der Aethercircus war wieder mal eine klasse Veranstaltung und Buxtehude war ein toller Standort dafür. Man traf viele alte und neue Freunde. Das Wetter hat super mitgespielt. Trocken bis sonnig, nicht zu warm, nicht zu kalt. So muss das sein! Auch die Besucher waren allesamt gut gelaunt, neugierig und sehr positv eingestellt. Ich konnte sogar einige Bilder verkaufen, die die sonst eher gar nicht gingen. Also für mich gilt: Beim nächsten Aethercircus bin ich wieder dabei!
Dennoch, muss ich noch einige Kritikpunkte aufzählen, die den gesamten Spaß etwas betrübt haben.
Der Raum in dem ich saß war etwas ungünstig platziert. Entweder musste man durch einen schmalen Gang gehen, oder man war gezwungen durch eine andere Vorführung zu gehen und durch ein Bistro um zum Ausstellungsraum zu gelangen. Die Beschilderung war, was das anging, sehr suboptimal. Wenn ich dann auch mitkriege, dass bei der Lesung von der Tanja gar keine Besucher zugegen waren, merke ich dass dies auch woanders ein Problem war. Und auch wenn die Malerschule ein klasse Gebäude ist für solche Sachen, außerhalb der Altstadt und über eine Straße zu gehen, scheint manche Leute etwas abzuschrecken. Jedenfalls habe ich auch noch am Sonntag abend Besucher sagen hören „Oh, hier waren wir ja noch gar nicht“.
Trotzdem, mein Stand war gut besucht und ich konnte einige Menschen glücklich machen mit meinen Werken. Sowas macht man immer gerne :)
Es bleibt dabei: Nächstes Mal bin ich wieder dabei!

Fazit: Ein kreativ gestaltetes, gelungenes Festival, das sehr viel an positivem Feedback bekommen hat, wenn auch mit einigen organisatorischen Schwächen an manchen Stellen, die  hoffentlich bei einem weiteren Aethercircus  schon im Vorfeld bedacht werden.

Die Fotos für diesen Bericht wurden uns freundlicherweise von Roger Steen zur Verfügung gestellt.

© Roger Steen