Bericht: 4. Steampunk Jahrmarkt 2018

Um 13.00 Uhr ging es los und der 4. Steampunk Jahrmarkt öffnete die Tore der Jahrhunderthalle Bochum. Bereits um kurz vor 14.00 Uhr war das erste Parkhaus voll, es schien also voll zu werden.

An der Kasse folgte dann die erste Überraschung: Entgegen der Informationen, die auch wir als Pressemitteilung erhalten hatten und die auch auf Facebook immer wiederholt worden waren, gab es nun doch ein Kinderticket für 12,50€ für Kinder bis 8 Jahren. (Zur Erinnerung: Vorher hieß es immer, Kinder ab 80cm zahlen den vollen Eintritt von 20€ VVK/ 24€ AK.) Freundlicherweise wurden bereits gekaufte Karten vor Ort umgetauscht. Das brachte aber denen wenig, die sich von den Preisen hatten abhalten lassen. (Übrigens kam zum Eintrittspreis noch die Parkgebühr von 3,50€ hinzu.)

Die Gewinner unserer Ticketverlosung

In der Halle selbst war es im Vergleich zu den Vorjahren doch recht leer und der Anteil an „normalen“ Besuchern war deutlich größer im Verhältnis zu den anwesenden Steampunks.

Wie erwartet waren auch recht viele Fotografen unterwegs, diese schienen jedoch etwas moderater zu agieren als im Vorjahr, auch wenn es immer wieder zu „Rudelknipsen“ kam, sobald ein passendes Motiv sich für den einen nett-fragenden Fotografen positioniert hatte. Trotzdem gab es auch wieder die unbelehrbaren Exemplare, die auf den freundlichen Hinweis, doch bitte nicht beim Essen zu fotografieren allen Ernstes antworteten: „Ich habe doch darauf geachtet, dass der Mund auf den Fotos zu ist.“ Man kann nur den Kopf schütteln und als Frau den Fächer als Waffe gegen ungewollte Knipser zücken.

Auf den vielfach kritisierten und rechtlich nicht ganz einwandfreien Hinweis des Vorjahres, dass man sich mit Betreten des Jahrmarktes mit der Anfertigung von Fotos einverstanden erkläre, hatte man übrigens in diesem Jahr verzichtet.

Was ebenfalls weitgehend fehlte war das angekündigte Programm. Stand bis kurz vorher in der Facebook Veranstaltung noch der Text: „Die Besucher erwartet ein stimmungsvoll hergerichteter viktorianischer Jahrmarkt im Stil der Jahrhundertwende des 19. Jahrhunderts, mit freier Fahrt auf den historischen Fahrgeschäften sowie antiken Jahrmarktständen, Kirmeswagen, Straßenkünstlern, Steampunk Gerätschaften, Steampunk Live-Musik im Abendprogramm und vielem mehr.“, wurde der letzte Teil am Freitag vorher einfach gestrichen.

Abacus-Theater

Was übrig blieb, waren die Modelldampfmaschinen von Herrn Papirnik, sowie der Familie Spree und die Kunst-Fahrzeuge des Abacus-Theaters. Auch Zauberkünstler Dr. Marrax gab mehrfach Vorstellungen und um 17.30 Uhr erfolgte ein Outfitwettbewerb. Eine Bühne gab es für diesen leider nicht, lediglich einen rund 30m langen roten Teppich mit ein paar Absperrungen rundherum; bei weitem nicht genug, um wirklich etwas sehen zu können. Die Moderation durch Bep Welters war nur im vorderen Teil überhaupt zu hören, weiter hinten wurde sie von einer der restaurierten Kirmes Orgeln überschallt.

Moderatorin Bep Welters bei der Überreichung des Preises für den 1. Platz des Outfitwettbewerbs

Diese taten ihr Bestes, das nicht vorhandene Musikprogramm zu ersetzen, allerdings dann so häufig, dass man mit den benachbarten Standbesitzern Mitleid haben musste.

Insgesamt fügten sich die zahlreichen Steampunkhändler (insgesamt über 20 Stück) wie gewohnt sehr gut in die Kulisse des Jahrmarktes ein und gerade durch die Verkäufe an die „normalen“ Besucher waren die die Einnahmen trotz deutlich gestiegener Standgebühren mehr als zufriedenstellend.

Leider war das Foyer der Jahrhunderthalle, in dem ebenfalls Händler platziert waren, in diesem Jahr unbeheizt, was dazu führte, dass die Besucher sich dort nur kurz aufhielten. Den frierenden Verkäufern an den Türen wurden immerhin später Heizlüfter zur Verfügung gestellt um der Kälte zu trotzen.

Insgesamt fehlten in diesem Jahr neben dem Programm auch die Künstler und Maker komplett. Fiel im vergangenen Jahr erstmal nur die Abwesenheit der lokalen Gruppierungen auf, hatte man in diesem Jahr komplett auf diesen wichtigen Teil des Steampunks verzichtet und den Jahrmarkt zu einer reinen Verkaufsveranstaltung gemacht.

Die Hauptattraktion, der historische Jahrmarkt selbst, war natürlich nach wie vor eine wundervolle Kulisse und auch die im Ticketpreis enthaltenen Fahrten auf den Fahrgeschäften wurden ausgiebig genutzt.

(Man könnte jetzt kleinlich sein und darauf hinweisen, dass es kein, wie angekündigt, viktorianischer Jahrmarkt war, da die meisten Fahrgeschäfte eher aus den 30er bis 50er Jahren des 20. Jahrhunderts stammen, aber das ist eigentlich unwichtig, denn die Fahrten selbst auf Riesenrad, Kettenkarussell und Co machen Spaß, egal aus welcher Zeit das Fahrgeschäft stammt.)

Insgesamt hat man leider das Gefühl, dass auf dem Jahrmarkt alles nur auf die Gewinnoptimierung des Veranstalters aus ist. Es scheint kein echtes Interesse mehr an der Steampunkszene selbst zu geben und man merkt deutlich, dass niemand aus der Szene mehr an der Organisation beteiligt ist. Dabei sind die Steampunks mit ihren Outfits überhaupt erst der Grund, warum dieser Veranstaltungstag sich von den anderen Tagen des historischen Jahrmarktes unterscheidet. Dass sie dafür dann aber auch noch 5€ bzw. 9€ mehr als an den anderen Tagen zahlen müssen ist angesichts des „Programms“ absolut ungerechtfertigt. Insbesondere dann, wenn man sieht, dass Gäste, die passend zur Sonderveranstaltung „Rock anne Raupe“ gekleidet kommen, einen Eintrittsrabatt erhalten.

Letztlich haben sich die meisten Steampunkbesucher einen schönen Tag vor Ort gemacht und den 4. Steampunk Jahrmarkt genutzt um Freunde und Bekannte dort zu treffen. Nicht zuletzt mit dem Amt für Aetherangelegenheiten oder spontanen Dudelsack einlagen haben sie ihr eigenes Programm gestaltet. Dafür muss man aber nicht den Mehrpreis zahlen um dann anderen als Attraktion zu dienen. Vermehrt wurden Stimmen laut, im kommenden Jahr einfach an einem anderen Tag den Jahrmarkt zu besuchen, oder als normale Besucher zu kommen und sich lediglich im frei zugänglichen Foyer zu treffen.

Spontane Dudelsackeinlage eines Besuchers
Andrang beim Amt für Aetherangelegenheiten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sollte sich die Einstellung der Veranstalter zur Szene nicht ändern, werden die Steampunks mehr und mehr wegbleiben und die kostenlose Attraktion der „lustig Kostümierten“ damit ebenso.

Außerdem muss dringend an der Informationspolitik gearbeitet werden. Sie war schlichtweg inexistent: Anfragen wurden nicht beantwortet, Fragen in der Facebook Veranstaltung sind bis heute unbeantwortet, lange Wartezeiten bei Mailanfragen, wobei auch da nicht zwangsläufig überhaupt eine Antwort kam, dazu gab es mit dem Clockworker auch noch eine Akkreditierungspanne, die sich zwar klären ließ, aber vermeidbar gewesen wäre.

An schönen Kulissen mangelt es bekanntlich im Ruhrgebiet nicht und der einzige Vorteil, den der Jahrmarkt noch genießt, ist die Tatsache eine beheizte Innenveranstaltung im sonst eher veranstaltungsarmen Winter zu sein. Wenn die Kommerzialisierung dieser Veranstaltung so weitergeht und die Atmosphäre darunter leidet, werden sich über kurz oder lang sicherlich Alternativen ergeben, die mehr Wert auf die Leute legen, die den Steampunk Jahrmarkt erst zu dem gemacht haben, was er heute ist.

Weitere Veranstaltungstermine findet ihr übrigens hier.

Alle Bilder sind auf flickR oder hier auf Facebook zu finden.
In der FB Gruppe „Steampunk Event Fotos – NRW“ sammeln sich außerdem Fotografen und Besucher um ihre Bilder auszutauschen.

 

(Der Artikel spiegelt ausschließlich die Eindrücke des Autors wider und entspricht nicht zwangsläufig der gesammten Clockworker Redaktion.)