Brief an die Stadt Stade zum Aethercircus

Die Absage der Stadt Stade für die Veranstaltung Aethercircus kam plötzlich und unerwartet. Viele Steampunker haben im Vorfeld Arbeit, Zeit und Geld in das Projekt gestellt und hoffen nun, dass sich bald ein neues Gelände findet. Den Veranstalter sei an dieser Stelle ausdrücklich für ihren unermüdlichen Einsatz gedankt!
Dennoch möchten wir gerne die Gründe wissen, um daraus zu lernen. Daher haben Phantanews und der Clockworker direkt bei der Bürgermeisterin nachgefragt.

Hansestadt Stade
Frau Bürgermeisterin Silvia Nieber

Hökerstr. 2

21682 Stade

Remscheid, 13.04.2012

Anfrage zum abgesagten Event »Aethercircus« in der »Festung Grauerort«

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Silvia Nieber,

wir sind die Betreiber von Clockworker.de und PhantaNews.de, zwei bekannter, nichtkommerzieller deutschsprachiger News- und Informationswebseiten, die sich mit Themen aus dem Bereich Phantastik und auch insbesondere Steampunk beschäftigen.

Wie wir berichtet haben, sollte Ende April in der »Festung Grauerort« in Stade eine Steampunk-Veranstaltung namens »Aethercircus« stattfinden.

Leider mussten die Veranstalter den Event in dieser Woche absagen. Laut deren Informationen aufgrund unerfüllbarer Auflagen seitens der Stadt Stade. Für eine Berichterstattung wären wir an einer konkreten Stellungnahme zu ein paar der vorgebrachten Punkte interessiert und bedanken uns für diese Informationen und die Beantwortung unserer Fragen im Voraus.
Wir weisen darauf hin, dass diese Fragen sowie Ihre Antworten auf unseren Internetpräsenzen im Rahmen einer Berichterstattung veröffentlicht werden. Wir weisen weiterhin darauf hin, dass es keinerlei geschäftliche oder persönliche Beziehung zwischen den Veranstaltern des »Aethercircus« und uns gibt. Diese Anfragen sind rein informativer Natur und dienen – wie oben bereits erwähnt – der journalistischen Berichterstattung.

Frage 1: Die Veranstaltung wurde bereits lange geplant und diese Planungen waren der Stadtverwaltung Stade bereits seit längerer Zeit bekannt. Warum werden erst gut zwei Wochen vor dem Termin unerfüllbare Auflagen gestellt? Wäre es nicht möglich gewesen, die Bedenken seitens der Verwaltung frühzeitig zu kommunizieren? Es ist ja nicht so, als hätten sich die Sachstände vor Ort in letzter Zeit geändert?

Frage 2: Warum konnten in den letzten Jahren zahllose Veranstaltungen dort stattfinden – auch solche, die von der Stadt Stade selbst durchgeführt wurden – obwohl die jetzt genannten Probleme auch zu diesen Zeitpunkten bereits vorhanden waren?

Es wurde gefordert:

»Alle Händler und Aussteller müssten ihren Stand schon am Freitagmorgen fertig aufgebaut haben, damit die Beamten des Stader Bauamtes den Platz begehen können, um zu entscheiden, ob das Festival stattfinden darf.«

Dazu Frage 3: Halten Sie eine solche Vorgehensweise für realistisch und sinnvoll? Immerhin kann sich kein Veranstalter irgendeines Events darauf einlassen, dass die Veranstaltung am Tag des Stattfindens abgesagt werden muss, weil Beamte des Bauamtes erst dann eine Entscheidung treffen können. Wäre der übliche Weg nicht der, dass im Vorfeld rechtzeitig konkrete Vorgaben seitens der Stadtverwaltung gemacht werden, die dann eingehalten werden müssen, statt dem Veranstalter allein das Risiko aufzuerlegen, dass am Termin abgesagt werden muss?

Frage 4: Aus welchem konkreten Grund sollte die zulässige Besucherzahl auf vollkommen unrealistische 150 Personen begrenzt werden? Aufgrund welcher Überlegungen kam diese Zahl zustande? Wie soll der Veranstalter Ihrer Ansicht nach sicherstellen können, dass nur 150 Besucher erscheinen?

Frage fünf steht in direktem Zusammenhang mit Frage vier:

Frage 5: Warum müssen die Veranstalter einen externen »großen Parkplatz« (inklusive Shuttleservice) nachweisen, wenn ohnehin nur 150 Besucher zugelassen werden sollen? Warum wird es den Veranstaltern untersagt, vorhandene öffentliche und ansonsten frei nutzbare Parkplätze zu nutzen? Und: Mit welcher Begründung dürfen die Parkplätze des Geländes nicht genutzt werden?

Eines der vorgebrachten Bedenken lautete:

»Das eventuell in der Festung noch lagernde Schwarzpulver könnte explodieren.«

Frage 6: Kann man daraus entnehmen, dass bei bisher dort stattgefundenen Veranstaltungen (beispielsweise den von der Stadt Stade durchgeführten »Open Air Opernabenden«) eine konkrete Gefährdung von Veranstaltungsbesuchern durch dieses Schwarzpulver bestanden hat? Was bedeutet »eventuell vorhanden«? Ist der Stadtverwaltung die konkrete Lagerung von Schwarzpulver dort bekannt oder nicht? Ist es nicht Aufgabe der Stadt Stade, eine solche Gefährdung von Besuchern durch Maßnahmen vor der Durchführung eigener Veranstaltungen auszuschließen?

Eine ähnlich gelagerte Frage muss auch zu der Sorge »die Decke könne einstürzen« gestellt werden:

Frage 7: Hat bei den bisher dort durchgeführten Veranstaltungen eine latente oder konkrete Gefährdung von Besuchern durch Instabilitäten des Gebäudes bestanden?

Auf der Webseite der »Festung Grauerort« ist zum einen der »Aethercircus« zum aktuellen Zeitpunkt noch als Veranstaltung ausgewiesen. Zum anderen wird dort für diverse weitere Veranstaltungen in den nächsten Wochen und Monaten geworben.

Frage 8: Sind die anderen Veranstaltungen dort ebenfalls gefährdet und müssen aufgrund unerfüllbarer Auflagen abgesagt werden? Besteht auch bei den anderen Veranstaltungen Gefahr für Leib und Leben der Besucher? Wenn nein, warum dabei nicht, beim »Aethercircus« aber schon?

Für eine kurzfristige, erschöpfende Beantwortung unserer Fragen möchten wir uns nochmals im Voraus bedanken. Eine Beantwortung ist via Email oder über die im Kopf dieses Schreibens angegebene Faxnummer möglich, selbstverständlich auch schriftlich auf dem Postwege. Wir werden die gestellten Fragen vorab auf unseren Webseiten veröffentlichen, Ihre Antworten dann nach Eingang bei uns ebenfalls.

Mit freundlichem Gruß,

Alex Jahnke
Clockworker.de

Stefan Holzhauer
PhantaNews.de